
Rasseportrait
Basset Bleu de Gascogne
Rassegeschichte:
Der Basset Bleu de Gascogne ist neben dem Grand Bleu, dem Petit Bleu und dem Griffon Bleu die vierte Variante der Bleu Rassen. Die ursprüngliche Herkunft liegt in der Gascogne, einem Landstrich im südwestlichen Frankreich.
Die Entstehung der Rasse des Basset Bleu de Gascogne ist aber nicht mehr exakt nachvollziehbar. Am wahrscheinlichsten ist, dass sein Ursprung in den beiden grossen Bleu Rassen, dem Grand Bleu sowie dem Petit Bleu zu finden ist. Vieles spricht dafür, dass mit kurzläufigen Hunden der beiden Ursprungsrassen rein weitergezüchtet wurde und so der ursprüngliche Typ des Basset Bleu de Gascogne entstand. Vermutlich stand auch noch der als Rasse bereits ausgestorbene Basset d`Artois als Pate zur Seite. Oft liest man," der Basset Bleu de Gascogne sei ein Grand Bleu mit kurzen Läufen „, vom Aussehen her kann man diese Parallele wohl noch akzeptieren, es gibt aber doch deutliche Unterschiede im Wesen.
Der Basset Bleu entspricht vollkommen dem klassischen französischen Typ der „ Chiens de Midi", der Hunde des Südens: Edle Haltung, aristokratischen Aussehen und seine majestätische Erscheinung prägen das äussere Erscheinungsbild.
Aus dem Standard:
typischer Basset
nicht zu schwer
flink und energisch mit dem Bedürfnis sich auszutoben
melodische, heulende Stimme , „ Heuleur par Excellence „
offener, fröhlicher Hund mit anschmiegsamen Wesen
leicht erziehbar
Widerristhöhe 34 cm bis 38 cm für Rüde und Hündin
Aussehen:
Der Basset Bleu ist ein kurzhaariger, niederläufiger Hund mit besonderer Farbe. Der Rumpf ist schwarz – weiß gesprenkelt, wodurch der schieferblaue Schimmer im Haarkleid (bleu) entsteht. Über den Rumpf verteilt finden sich meist schwarze Platten. Die Behänge sind sehr lang, dünn, tief angesetzt und rahmen den leicht gewölbten, schmalen Schädel mit dem typischen Hinterhaupthöcker ein und verleihen der Kopfpartie damit den unvergleichlich edlen Ausdruck. Braunrot gesprenkelte, lohfarbene Abzeichen finden sich an den Wangen, Lefzen über den Augen und den Gliedmaßen.

Heutiger Stand:
Auch im Ursprungsland Frankreich ist der Basset Bleu nicht sehr häufig. Der überwiegende Teil der Hunde wird zur Jagd auf Hase, Kaninchen und Reh verwandt. In der Zucht wird scharf zum äusseren Erscheinungsbild, aber auch auf jagdliche Eignung und Vitalität hin selektiert.
In Frankreich werden die Basset Bleus zwar noch häufig jagdlich in der typischen Meuteformation eingesetzt, aber auch der Einsatz als Solojäger hat Tradition. Ein Großteil der Züchter findet sich im südlichen und südwestlichen Teil Frankreichs.
Bei uns in Deutschland findet der Basset Bleu sowohl als Familien als auch Jagdhund Verwendung.
Wesensmerkmale – Haltung – Erziehung:
Der BBG ist ein typischer Basset des französischen Typs. Sein ansprechendes Äusseres, sein offenes, liebevolles Wesen und sein starker Charakter machen ihn sofort zu einem sympathischen Hund. Er gilt in der Reihe der Laufhunde als relativ leicht abzurichten.
Es ist ein aufgeweckter Hund mit robuster Gesundheit und sensiblem Wesen.
Von seiner Abstammung her als Meutehund ordnet er sich völlig unkompliziert in die Gesellschaft anderer Hunde oder aber Menschen ein. Basset Bleus haben ein hohes Bedürfnis zu Sozialkontakten sowohl zu anderen Hunden als auch zu Menschen.
Daher ist eine Einzelhaltung nur anzuraten, sofern Sie Ihrem Hund eine ausreichende Möglichkeit bieten können mit Ihnen Kontakt, am besten ganztägig, halten zu können.
Er hat ein überaus fröhliches, offenes Wesen, ist sehr anschmiegsam und intelligent. Er tobt und spielt gern, ist absolut Kinder- und Familientauglich und ausreichend wachsam ohne Aggressionen zu zeigen. Er macht von seiner Stimme i.d.R. wenig Gebrauch, sie ist aber für einen solch kleinen Hund doch lautstark und erinnert eher an ein langgezogenen Heulen als an ein Bellen. Wie die meisten Laufhunde verfügt der BBG über eine sehr hohe Reizschwelle, er zieht sich lieber diskret zurück als aggressiv zu reagieren. Auf plötzliche oder neu auftretende Situationen reagiert er ohne Hektik, er macht einen besonnenen Eindruck.
Trotz des kurzen Haarkleides sind BBG nicht kälteempfindlich, entsprechende Gewöhnung vorausgesetzt. Sie lieben es aber die Wärme , sei es in der prallen Mittagssommersonne oder am Kamin, zu geniessen.
Wie alle Laufhunde haben auch die BBG ein hohes Bewegungsbedürfnis. Mindestens längere Spaziergänge und am besten auch die Möglichkeit sich nach Belieben im fest und dicht eingezäunten Garten austoben zu können, sind unabdingbare Voraussetzungen zur Haltung. Ihren Bleu zum Joggen oder Fahrradfahren mitzunehmen ist ebenfalls eine gute Möglichkeit die notwendige Bewegung zu gewährleisten.
All dies macht ihn zu einem überaus liebenswerten, handlichen, unkomplizierten Hund für Familie und/oder Jagd.

Aber:
Seit Jahrhunderten selektiert die Bleuzucht neben der äusseren Erscheinung, dem Geläut und der Sozialverträglichkeit insbesondere aber auf die jagdliche Eignung. Als Laufhund/Bracke hat er ein hohes Bewegungsbedürfnis, ist es gewohnt auch selbstständig zu arbeiten und verfügt über einen gesegneten Appetit.
Es gibt nur wenige Hunderassen die über eine derartig vollendete Nasenleistung verfügen wie die Bleus. Bleus sind durch und durch Nasenhunde! Es ist keine Sturheit oder Renitenz wenn er Ihre Befehle nicht direkt befolgt. Meist ist er nämlich gerade damit beschäftigt seine feine Nase einem Staubsauger gleich über den Boden zu bewegen um alle Gerüche auszuwerten die er gerade aufnimmt. Dabei konzentriert und vertieft sich ein Bleu so stark, dass man den Eindruck erhält die Geruchswelt hält ihn gefangen. Ohren und Augen scheinen ausgeschaltet zu sein, nur noch die Nase und das Geläut arbeiten.
Vergessen Sie daher nie die jagdliche Herkunft und das Brackenherz im Basset Bleu.
Selbstverständlich wird er eine frische Wildspur beim sonntäglichen Spaziergang im Wald viel interessanter finden als jede noch so pädagogisch gut formulierte Aufforderung davon abzulassen und sofort und unverzüglich Ihrem Ruf zu folgen, selbstverständlich wird er Ihren mit aller Liebe und Können gebackenen Festtagskuchen als Erster probieren wollen, sofern Sie Ihm irgendwie eine Gelegenheit dazu bieten und selbstverständlich wird er es ganz normal finden Ihre Designercouch seinen Wünschen entsprechend so zu benutzen wie er es für erforderlich hält.
Dies alles muss zunächst kein Problem sein, wäre es aber eins für Sie , liegt es an Ihnen hier die jeweiligen Grenzen zu ziehen !!!. Der Schlüssel dazu liegt in der Prägung, einer Bleu tauglichen Ausbildung und im tägl. Umgang mit Ihrem Bleu.
Seine Ausbildung erfordert eine liebevolle, stetige Konsequenz. Härte und Isolation in Haltung und Ausbildung sind vollkommen ungeeignete Methoden im Umgang mit einem BBG. Ein BBG lernt schnell und zuverlässig wenn man ihm Gelegenheit gibt ohne harten Zwang und Gewalt dafür aber ruhiger Vernunft und spielerischer Gelassenheit Neues zu begreifen. Beschäftigen Sie Ihren Hund ausreichend und fixieren Sie ihn immer wieder auf sich. Damit haben Sie gute Chancen die Jagdpassion im Rahmen zu halten.
Trotz vieler Gegenbeispiele kann es aber dennoch durchaus sein, dass Sie Ihren BBG an neuralgischen Punkten nur angeleint spazieren führen können ohne Gefahr zu laufen, dass er sich zu einem Jagdausflug begibt. Zwar kehrt er i.d.R. nach ca. 10 bis 30 Min. zurück, aber es kann schon nervig sein warten zu müssen und die Gefahr der nächsten Straße ist ja auch noch gegeben.

Wichtig ist bereits im Welpenalter eine feste Bindung Ihres Bleus zu Ihnen aufzubauen.
Darin liegt ein Schlüssel im erfolgreichen Umgang mit unseren Bleus. Gerade bei Hunden mit der genetischen Fixierung zur Fährtenarbeit ist ein starker Meutetrieb und eine starke Bindung an den Besitzer besonders wichtig. Damit räumt man bereits viele sonst evtl. später auftretende Probleme bereits früh aus dem Weg.
Bestrafen Sie Ihren Bleu nie wenn er zu Ihnen z.B. nach einem längeren Solospaziergang, oder aber einer eigenmächtigen Jagd zurückkehrt !.
Bringen Sie Ihrem Bleu als Welpen bei Sie zu finden und nicht Sie Ihn, sollte er sich mal aus Sichtweite von Ihnen entfernen. Dies sollte bereits im Welpenalter öfter extra provoziert und geübt werden. Hat er einmal gelernt seine Nase einzusetzen um über Ihre Spur zu Ihnen zurückzufinden wird er immer wieder zuverlässig zu Ihnen finden bzw. zum Ausgangspunkt zurückkehren. Dies ist meines Erachtens nach einer der wichtigsten Abschnitte in der Ausbildung eines Bleus.
Monotones Üben verträgt kein intelligenter Hund auf Dauer ohne die Lust am Arbeiten zu verlieren, erst recht kein Bleu. Gestalten Sie die Ausbildung kurzweilig und abwechslungsreich mit vielen Auflockerungspausen. Erwarten und Verlangen Sie keine Dinge von einem Bleu für die er nicht geschaffen ist. Natürlich kann aber ein Grundgehorsam erwartet werden. Viele Bleus werden alternativ zur Jagd mit Fährtenarbeit in unterschiedlicher Form beschäftigt. Diese Arbeit kommt ihrem Naturell sehr nahe und kann die Arbeit auf der Wildfährte voll und ganz ersetzen.
Härte, zu starker Zwang oder gar Gewalt im Umgang mit einem Bleu bricht das Vertrauens-verhältnis Ihres Bleus zu Ihnen !!. Bleus sind sehr sensible Hunde und reagieren nachhaltig und auch anhaltend auf unsachgemäße Behandlung. Höchstleistungen bei der Arbeit und ausreichender Gehorsam wird ein Bleu nur dann bringen, wenn er seinem Menschen gegenüber immer vertrauen kann.
Wer von seinem Hund Kadavergehorsam erwartet, nicht in der Lage ist Nachsicht zu zeigen wenn Befehle erst beim zweiten oder dritten Mal befolgt werden oder wer nicht über die Geduld verfügt auch mal eine halbe Stunde zu warten, wenn sein Hund mal gerade eine frische Fährte im Wald mit herzerfrischender Passion verfolgt, der sollte zumindest nicht in Erwägung ziehen sich einen Bleu als vierbeinigen Begleiter zuzulegen.
Auch Menschen mit der Neigung zu jähzornigen oder cholerischen Reaktionen sollten sich keinen Bleu zulegen, hier gibt es andere Rassen die diesbezüglich belastbarer sind.
Wer aber bereit ist die angesprochenen Besonderheiten in Wesen und Ausbildung des BBG zu akzeptieren, der findet im BBG einen Hund der mehr ist als ein netter und treuer Familien- oder Jagdhund. Sie werden einen Hund besitzen der sich Ihnen vollkommen anvertraut und der versuchen wird seine Aufgaben mit vollem Einsatz freudig zu erfüllen. Sie werden für Ihn das wichtigste auf der Welt sein und er wird Sie auf seine überschwängliche Art für alles entlohnen was Sie ihm entgegenbringen.
Es wird Ihnen nicht nur ein Vergnügen sein einen Basset Bleu zu besitzen, nein es ist fast schon eine Auszeichnung einen Basset Bleu besitzen zu dürfen.
Kaum Jemand, der einmal einen Basset Bleu besaß, kommt wieder davon weg.
Jagdliche Verwendung :
Im jagdlichen Bereich ist der BBG ein ausserordentlich geeigneter Stöberhund, mit hohem Finderwillen und enthusiastischer Jagdpassion. Gründlich und exakt in der Suche, ausgeprägte Fährtentreue und sicherer Spurlaut zeichnen ihn aus. Das Geläut wird klangvoll geheult. Bei entsprechender Ausbildung eignet sich der BBG in bes. Masse auch für den Einsatz als Schweisshund mit hohen Ansprüchen.
Obwohl Meutehund arbeitet der BBG ohne Einschränkung auch als Einzelhund bei der Stöberjagd. Er verfügt über einen sehr ausgeprägten Orientierungssinn und arbeitet die Rückspur äusserst zuverlässig.

Stand der Zucht in Deutschland/ Vereine/Sonstiges:
Innerhalb des CCF gibt es augenblicklich lediglich zwei Basset Bleu de Gascogne Züchter in Deutschland.
In Frankreich wird der BBG mit sechs anderen Laufhunderassen vom
« Club du Bleu de Gascogne, Gascon Saintongeois, Ariegeois « vertreten.
Sehenswert ist die jährlich vom Club du Bleu in Frankreich durchgeführte Zuchtschau, die „Nationale d`Elevage", meist sind hier über 700 Vertreter der obigen Rassen zu sehen.
In Deutschland findet jährlich im August im saarländischen St.Wendel - Leitersweiler ein Bleu Treffen bei Familie Edda und Jürgen Mennig statt. Hier kann man mit Bleufreunden aus der gesamten Bundesrepublik und dem benachbarten Ausland fachsimpeln und alle vier Bleurassen live erleben.
Wer Fragen zu den Bleurassen hat oder aber sich zum nächsten Treffen am 26. August 2006 anmelden möchte , kann sich gerne mit uns telefonisch unter 06851 – 3085 oder aber unter ejmennig@aol.com in Verbindung setzen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.bleu-de-gascogne.de.vu
© Jürgen Mennig
Zwinger vom Forsthaus Ostertal